Heft 13: Preis- und Qualitätsorientierung im Gesundheitssystem

Der Preiswettbewerb ist gegenwärtig in der Gesetzlichen Krankenversicherung stark ausgeprägt, nicht aber der Qualitätswettbewerb. Dieses in vielen Facetten zu beobachtende Missverhältnis ist Gegenstand der neuen Publikation des Frankfurter Forums im Diskurs-Heft Nr. 13. Unter dem Titel „Preis- und Qualitätsorientierung im Gesundheitssystem“ nehmen fünf Autoren eine Bestandsaufnahme der zentralen Probleme vor und skizzieren Lösungsansätze aus unterschiedlichen Perspektiven.

 

Im Beitrag von Professor Dr. Marion Haubitz wird die traditionelle Trennung des deutschen Gesundheitswesens in Versorgungssektoren kritisch dahingehend befragt, ob diese Struktur den Herausforderungen der Zukunft genügt – zumal vor dem Hintergrund eines absehbaren Fachkräftemangels. Aber auch mit Blick auf die demografische Entwicklung werden die Probleme insbesondere in ländlichen Regionen deutlich, Versorgungskonzepte für die Primär- bis hin zur Langzeitversorgung zu etablieren. Die Überwindung der Sektorengrenzen wäre eine zentrale Voraussetzung für einen Qualitätswettbewerb, der sich vor allem auf populationsorientierte Qualitätsindikatoren stützen sollte.

An politischen Initiativen zur Überwindung der Sektorengrenzen hat es in den vergangenen 25 Jahren nicht gefehlt, erinnert Gerhard Schulte in seinem Beitrag. Untersucht man die Gesetzgebungshistorie seit 1989, so zeigt sich, dass die Handlungsoptionen der Krankenhäuser schrittweise erweitert wurden. Dabei wurde aber versäumt, gleiche Wettbewerbsbedingungen für ambulant tätige Ärzte zu schaffen. Schritte zu einem sektorenübergreifenden Versorgungswettbewerb des Gesetzgebers wurden wiederholt konterkariert, so dass sich der fehlende Wettbewerb an der Sektorengrenze als eine Kombination aus Politik- und Systemversagen darstellt.

Vertragsärzte haben in der Vergangenheit eine ambivalente Rolle beim Wettbewerb der Krankenkassen untereinander gespielt, berichtet Dr. Manfred Richter-Reichhelm. Das galt etwa dann, wenn sie sich haben in Vertragsstrukturen einbinden lassen, deren primäres Ziel keineswegs immer eine bessere Versorgung war. Auch die Erfahrungen von Vertragsärzten aus Selektivverträgen lassen Zweifel aufkommen, ob gesetzliche Krankenkassen tatsächlich wie behauptet stets „Anwälte der Patienten“ sind. Nur wenn Kooperationen von Ärzten und Krankenkassen das unmittelbare Ziel haben, die sektorenübergreifende und populationsorientierte Versorgung zu verbessern, sind solche Kooperationen uneingeschränkt zu begrüßen.

In der stationären Versorgung in Deutschland ist der Wettbewerb in mehreren Dimensionen eingeschränkt, erläutert Karsten Honsel. So prägen beispielsweise die sich aus den Landeskrankenhausplanungen ergebenden Strukturen maßgeblich die Wettbewerbssituation der Krankenhäuser. Auch die duale Finanzierung, in deren Kontext die Häuser seit Jahren zu geringe und regional stark variierende Investitionsmittel erhalten, sorgt für Verzerrungen. Die vom Krankenhausgesetz vorgegebenen Ziele werden zwar durch die Wettbewerbseingriffe im Wesentlichen erreicht. Der hohe Anteil von Krankenhäusern mit Defiziten lässt aber erkennen, dass der gegenwärtige Finanzierungsmodus nicht nachhaltig ist.

Der Wettbewerb zwischen Leistungserbringern und der Kostendruck für die Krankenkassen haben Auswirkungen auf die Patienten – wie etwa ein wachsender Druck zur Inanspruchnahme von Selbstzahlerleistungen oder ein Innovationsstau im Leistungskatalog der GKV, da die maßgeblichen Akteure kein Interesse an seiner Ausweitung haben, schreibt Dr. Ilona Köster-Steinebach. Die vergleichsweise schwache Vertretung der Patienten im Gemeinsamen Bundesausschuss verhindert, dass die Patientenbeteiligung als ein effektiver Korrekturmechanismus wirken kann. Die fehlende Transparenz über die Leistungs- und Servicequalität der Ärzte und Krankenkassen stärkt ebenfalls die Position der Patienten und Beitragszahler nicht.

In der Diskussion zog das Plenum des Frankfurter Forums das Fazit, dass auch 20 Jahre nach dem Start des Krankenkassenwettbewerbs überzeugende ordnungspolitische Konzepte für einen flankierenden Qualitätswettbewerb noch ausstehen.

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Heft 13:
Preis- und Qualitätsorientierung im Gesundheitssystem
Editorial: Wettbewerb allein um niedrige Zusatzbeiträge geht fehl, ökonomisches Handeln aber bleibt unverzichtbar
Vortrag 1: Organisation der gesundheitlichen Versorgung: Wo stehen wir? Wo müssen wir hin?
Vortrag 2: Fehlender Wettbewerb an den Sektorengrenzen: Politik- oder Systemversagen?
Vortrag 3: Die Rolle der Vertragsärzte in einem Krankenkassenwettbewerb um Versicherte
Vortrag 4: Wie viel Wettbewerb verträgt ein Krankenhaus?
Vortrag 5: Sozialstaatsgebot und Wettbewerbsordnung: Wo bleiben Beitragszahler und Patienten?
Fazit: Politischen Konzepten für Qualitätswettbewerb fehlt es an ausreichend mächtigen Fürsprechern

Heft 7: Individualisierte Medizin – die Grenzen des Machbaren

Heft_07_TitelAngesichts der bislang begrenzt erfolgreichen Diagnosetest- und Arzneimittel-Innovationen bei den sogenannten „Targeted Therapies“ stellt sich die Frage, ob die großen öffentlichen und privaten Forschungsressourcen, die die Industrie in diesem Feld investiert, richtig eingesetzt sind. Insgesamt ist die zielgerichtete Krebstherapie von wenigen Ausnahmen abgesehen noch Utopie, Patienten werden wie bisher nach dem Verfahren von „Trial and Error“ behandelt.  Vor diesem Hintergrund müssen angemessene Versorgungsstrukturen und -prozesse für den verantwortlichen Einsatz von „Targeted Therapies“ auf verschiedenen Ebenen erst noch geschaffen werden. Die Biomarker-Entwicklung hat sich bisher primär am technisch Möglichen orientiert. Das prospektive Potenzial der stratifizierenden Medizin kann sich aber nur dann entfalten, wenn sich die Forschung am tatsächlichen Versorgungsbedarf einer alternden Gesellschaft orientiert.

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 Heft 7:  Individualisierte Medizin – die Grenzen des Machbaren
 Editorial:  Personalisierte Medizin – Chancen, Risiken und offene Fragen
 Vortrag 1:  Konsequenzen für Krankenkassen und die Patientenversorgung
 Vortrag 2:  Diagnose- und Therapieoptionen in der gynäkologischen Onkologie
 Vortrag 3: Implikationen für Planung und Durchführung klinischer Studien?
 Vortrag 4: Diagnose- und Therapieoptionen in der Onkologie: kritische Analyse und Ausblick
 Vortrag 5: Auswirkungen für Pharmaunternehmen mit Blick auf die Onkologie-Forschung?
 Fazit: Das Forschungskonzept ist plausibel, der Patientennutzen bisher begrenzt

 

Heft 6: Chancen und Risiken individualisierter Medizin

Heft_06_TitelDie medizinischen Möglichkeiten, die sich mit dem Konzept der individualisierten Medizin verbinden, verheißen Fortschritte in der Behandlung von Patienten. Doch die rechtlichen, ökonomischen und ethischen Implikationen des Einsatzes der individualisierten Medizin können nur im Einzelfall bewertet werden, weil sich ihr Nutzenpotenzial gegenwärtig nicht abschließend abschätzen lässt. Der gegenwärtige Stand der individualisierten Medizin stellt eine aufgestoßene Tür zu neuen Erkenntnissen dar, die die Medizin in einigen Teilen verändern wird. Ob daraus eine medizinische Revolution wird, bleibt abzuwarten.

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 Heft 6: Chancen und Risiken individualisierter Medizin
 Editorial: Ideen und Konzepte gibt es, doch es fehlen Maßschneider für neue Versorgungsformen
 Vortrag 1: Medizinische Aspekte – eine maßgeschneiderte Versorgung der Zukunft?
 Vortrag 2: Welche juristischen Herausforderungen und Probleme müssen bewältigt werden?
 Vortrag 3: Ökonomische Aspekte – bessere Versorgung bei gleichzeitiger Kostendämpfung
 Vortrag 4: Ethische Herausforderung für Patient, Arzt und Gesellschaft
 Fazit: Fortschritte für Patienten sind nicht verbrieft, ein kontinuierliches Monitoring ist unverzichtbar

Heft 5: Versorgung in einer alternden Gesellschaft

Heft_05_TitelDie Herausforderungen einer angemessenen Versorgung in der alternden Gesellschaft sind bekannt, doch wir sind weder personell noch strukturell in Deutschland so gut aufgestellt, dass wir die anstehenden Probleme mit den bekannten „Bordmitteln“ lösen könnten. Es gibt Insellösungen und Leuchtturmprojekte. Doch was fehlt, sind flächendeckende Versorgungskonzepte. Case-Management-Projekte der Krankenkassen haben zudem immer wieder gezeigt, dass nicht allein die ärztliche Versorgung eine Determinante für den Erfolg ist, sondern gleichermaßen die pflegerische Versorgung sowie psychosoziale Faktoren entscheidend sind. Es fehlt nicht an Konzepten für eine maßgeschneiderte Versorgung, aber es fehlt an „Maßschneidern“, die die Verantwortung für eine populationsorientierte Versorgung übernehmen könnten.
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Heft 5: Versorgung in einer alternden Gesellschaft
 Editorial: Neues Denken, neue Versorgungskonzepte – unsere alten Bordmittel werden nicht reichen
 Vortrag 1: Aktuelle Situation und Zukunft in der vertragsärztlichen Versorgung
 Vortrag 2: Koordiniertes Versorgungsmanagement für ältere und multimorbide Patienten
 Vortrag 3: Patientenbegleiter als Scharnier zwischen Arzt und chronisch Kranken
 Vortrag 4: Koordinierte Behandlung und Versorgung alter und multimorbider Patienten
 Fazit: Ideen und Konzepte gibt es, doch es fehlen Maßschneider für neue Versorgungsformen


Heft 2: Versorgungskonzepte für eine alternde Gesellschaft

PDF lesen: Heft 2 - Versorgungskonzepte für eine alternde GesellschaftDie Gesellschaft des langen Lebens wird demografische Realität, doch das Gesundheitswesen ist auf die ärztlichen und pflegerischen Herausforderungen noch nicht ausreichend vorbereitet.

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Heft 2: Versorgungskonzepte für eine alternde Gesellschaft
Vortrag 1: Spezielle Versorgungsanforderungen für ältere und alte Patienten
Vortrag 2: Alt werden in einer Zeit des gesellschaftlichen Wandels
Vortrag 3: Alt, krank, pflegebedürftig – werden wir den Anforderungen gerecht?
Fazit: Das smarte Versorgungskonzept aus einem Guss ist noch nicht gefunden




Heft 1: Medizinischer Fortschritt in einer alternden Gesellschaft

Heft_01_TitelDie Autoren beleuchten aus ethischen, medizinischen und ökonomischen Aspekten die immer wieder neu herzustellende Balance von Wettbewerb und Solidarität im Gesundheitswesen.

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Heft 1: Medizinischer Fortschritt in einer alternden Gesellschaft
Vortrag 1: Ethische Aspekte
Vortrag 2: Medizinische Aspekte
Vortrag 3: Ökonomische Aspekte
Fazit: Die prekäre Balance zwischen Solidarität und Wettbewerb