Heft 11: Sterbehilfe – Streit um eine gesetzliche Neuregelung

Die neue Veröffentlichung aus der Reihe Diskurse des Frankfurter Forums „Sterbehilfe – Streit um eine gesetzliche Regelung“ erscheint zu einer Zeit, in der der Deutsche Bundestag in die heiße Phase der Beratungen über ein reformiertes Recht der Sterbehilfe und -begleitung startet. In der Publikation kommen – wie schon in Heft 10, das sich dem gleichen Problemkomplex widmet – Experten der unterschiedlichsten Disziplinen zu Wort. Beleuchtet werden Erfahrungen in der Sterbebegleitung aus theologischer Sicht ebenso wie die Desiderate der palliativen Versorgung in Deutschland. Ausführlich wird zudem die ärztliche Handlungspraxis am Lebensende aus empirischer Perspektive untersucht. In einem eigenen Beitrag wird außerdem die nicht selten medizinisch umstrittene Behandlung von Krebspatienten am Lebensende diskutiert – dies vor dem Hintergrund, dass 20 bis 50 Prozent dieser Patienten in den letzten 30 Tagen vor ihrem Tod noch zytostatisch behandelt werden. Entsprechend fragt der Autor: „Wann kann weniger mehr sein“ und diskutiert Gründe, die einer qualitativ hochwertigen, multiprofessionellen Palliativversorgung im deutschen Gesundheitssystem entgegen stehen.

Angesichts der Einsichten in die komplexen Hintergründe, die das Plenum des Frankfurter Forums auf seiner Tagung im Oktober 2014 in Fulda gewonnen hat, wurde die Diskussion über Sterbehilfe als verkürzt wahrgenommen. Bis April 2015 liegen fünf interfraktionelle Positionspapiere von Abgeordneten des Bundestags vor. Ganz überwiegend bestand unter den Teilnehmern des Forums Konsens darüber, dass der gesetzliche Status quo der Sterbehilfe in Deutschland beibehalten werden sollte. Ebenso groß war der Konsens in der Ablehnung eines der Positionspapiere, in dem die ausdrückliche gesetzliche Regelung des ärztlich assistierten Suizids befürwortet wird. Dies, so wurde argumentiert, würde zu einer Grenzverschiebung ärztlichen Handelns führen.

Das Plenum des Frankfurter Forums appellierte an alle Verantwortlichen in Politik und Gesundheitswesen, einer verkürzten Debatte über den assistierten Suizid Einhalt zu gebieten. Nötig sei zum einen eine grundsätzliche innerärztliche Selbstverständigung ohne Zeitdruck und falsche Formelkompromisse über eine ethisch fundierte Handlungspraxis bei Patienten am Lebensende. Zum anderen geboten sei die seriöse Information der breiten Öffentlichkeit über die geltende Rechtslage, zentrale Begriffe sowie Stand und Chancen der palliativen Versorgung in Deutschland.

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Heft 11: Sterbehilfe – Streit um eine gesetzliche Neuregelung
Editorial: Die Sterbehilfedebatte generiert vorschnelle Antworten und verdeckt die tieferliegenden Probleme
Vortrag 1: „Freundschaft mit dem Tod“ ist keine Haltung für Angehörige, Ärzte, Pflegende und Seelsorger
Vortrag 2: Palliative Versorgung zu Hause und in der Klinik – Status quo und Perspektiven
Vortrag 3: Ärztliche Handlungspraxis am Lebensende: Empirische Daten, ethische Analysen
Vortrag 4: Ergebnisse einer repräsentativen Befragung zur Sterbehilfe: Geringes Wissen in der Bevölkerung
Vortrag 5: Die Behandlung von Krebspatienten am Lebensende – wann kann weniger mehr sein?
Fazit: Grenzverschiebungen sind nicht angezeigt, eine bessere Palliativversorgung jedoch schon

 

Heft 10: Menschen in ihrer letzten Lebensphase – selbstbestimmt leben, in Würde sterben – Teil I

Heft 10: Menschen in ihrer letzten Lebensphase - selbstbestimmt leben, in Würde sterben - Teil IVorsorgevollmacht und Patientenverfügung sind zwei Optionen, um Fragen der medizinischen und pflegerischen Versorgung und Behandlung in der letzten Lebensphase zu regeln. Tatsächlich sind aber viele Rechtsfragen im Zusammenhang mit der palliativen Versorgung sterbender Menschen in Deutschland ungeklärt. Dies verunsichert Betroffene, Angehörige, Ärzte und Pflegekräfte. Vor diesem Hintergrund beleuchtet Heft 10 mit dem Titel „Selbstbestimmt leben – in Würde sterben“ das Thema aus verschiedenen Blickwinkeln.

Zwei Beiträge beschäftigen sich mit Rechtslage zur Sterbehilfe in Deutschland. Dabei werden aus der Sicht eines Richters auch Verfahren der Konfliktregelung im Fall unklarer Patientenverfügungen beschrieben. Weitere Autoren befassen sich mit spirituellen Fragen der Sterbebegleitung und fragen nach Qualifikationsanforderungen für Pflegekräfte, Ärzte und Seelsorger. Kritisch wird schließlich hinterfragt, inwieweit Fortschritte in der palliativen Versorgung in den vergangenen Jahren erreicht wurden – und welche Defizite weiter bestehen. Dabei gilt ein besonderer Fokus der palliativen Versorgung in ländlichen Regionen.

Das Plenum des Frankfurter Forums diskutierte alle Facetten der rechtlichen Unsicherheiten, Unzulänglichkeiten im Leistungsrecht und der Versorgungsmängel im Kontext der palliativen Versorgung. Dennoch zeigte sich das Forum zuversichtlich, dass die Ingredienzien für eine schrittweise zu verbessernde palliative Versorgung bekannt seien. Nötig sei ein Gesamtkonzept, das die multiprofessionelle Zusammenarbeit, wie sie in der hospizlichen Versorgung praktiziert wird, auch in der palliativen Versorgung Sterbender realisiert, und zwar unabhängig vom Sterbeort.

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Heft 10: Selbstbestimmt leben, in Würde sterben
Grußwort: STERBEHILFE UND STERBEBEGLEITUNG – eine theologische Annäherung
Editorial: Vollmacht und Verfügung, zwei ungeliebte Notwendigkeiten
Vortrag 1: Die Bedeutung existenzieller und spiritueller Fragen in der Sterbebegleitung
Vortrag 2: Recht auf Sterben, Beihilfe zur Selbsttötung, Tötung auf Verlangen: Was steht im Gesetz?
Vortrag 3: Vorsorgevollmacht und Patientenverfügung: Wollen Arzt und Patient immer das Gleiche?
Vortrag 4: Betreuung Sterbender: Sind Pflegekräfte, Ärzte, Seelsorger ausreichend qualifiziert?
Vortrag 5: Hospiz- und Palliativersorgung von Schwerstkranken und Sterbenden
Vortrag 6: Probleme der palliativen Versorgung in ländlichen Regionen
Fazit: Bessere palliative Versorgung: Es gibt kein Wissensdefizit, es fehlen konkrete Taten